Veröffentlicht am: 13.01.2026

Anisomelie – Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

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Anisomelie bezeichnet eine Beinlängendifferenz, bei der die unteren Extremitäten eines Menschen unterschiedlich lang ausgeprägt sind. Dabei handelt es sich um einen orthopädischen Befund, der sowohl im Kindesalter als auch im Erwachsenenalter auftreten kann. Geringe Unterschiede in der Beinlänge kommen häufig vor und bleiben oft unbemerkt. Größere Abweichungen beeinflussen jedoch die Körperstatik, das Gangbild sowie die Belastung von Gelenken und Wirbelsäule. Die Anisomelie kann unterschiedliche Ursachen haben und erfordert – abhängig von Ausprägung und Entstehung – eine gezielte Behandlung.

Was bedeutet Anisomelie?

Der Begriff Anisomelie beschreibt eine Ungleichheit der Gliedmaßenlängen und wird in der Orthopädie vor allem für eine Beinlängendifferenz verwendet. Bei Kindern gilt bereits ein Unterschied von etwa einem halben Zentimeter als behandlungsrelevant, während bei Erwachsenen meist ab einer Differenz von etwa einem Zentimeter therapeutische Maßnahmen empfohlen werden.

Eine Anisomelie verändert die natürliche Statik des Körpers. Um den Längenunterschied auszugleichen, kippt das Becken zur Seite des kürzeren Beins. Diese Beckenfehlstellung wirkt sich auf die Wirbelsäule aus und führt häufig zu Ausgleichsbewegungen im Bereich von Rumpf, Schultern und Kopf. Die daraus resultierenden Veränderungen betreffen nicht nur den Bewegungsapparat, sondern auch das Gleichgewicht und das Gangbild.

Was sind die Ursachen für eine Anisomelie?

Die Ursachen einer Anisomelie lassen sich grundsätzlich in anatomische und funktionelle Formen einteilen.

Anatomische Anisomelie

Bei dieser Form liegt ein tatsächlicher Längenunterschied der Knochen vor. Ober- oder Unterschenkel eines Beins sind messbar kürzer oder länger ausgeprägt als auf der Gegenseite. Diese Form kann angeboren sein oder im Laufe des Lebens entstehen.

Mögliche Ursachen sind:

  • angeborene Fehlbildungen der unteren Extremitäten
  • Verletzungen der Wachstumsfugen im Kindesalter
  • Hüftdysplasien oder Beinachsenfehlstellungen
  • Knochenbrüche mit verkürzter Heilung
  • operative Eingriffe, beispielsweise der Einsatz von Hüft- oder Knieprothesen

Funktionelle Anisomelie

Bei der funktionellen Anisomelie erscheinen die Beine unterschiedlich lang, obwohl die Knochenlängen gleich sind. Ursache sind in diesem Fall Störungen im muskulären oder gelenkbezogenen Zusammenspiel.

Häufige Auslöser sind:

  • Blockierungen im Bereich der Wirbelsäule oder des Beckens
  • muskuläre Dysbalancen
  • Muskelverkürzungen im Hüft- oder Kniebereich
  • asymmetrische Fußfehlstellungen

Diese Form entwickelt sich häufig schleichend und bleibt lange unentdeckt. Dabei begünstigen langes Sitzen, Bewegungsmangel, einseitige Belastungen oder Fehlhaltungen im Alltag ihre Entstehung.

Welche Beschwerden und Symptome treten im Alltag auf?

  • Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins
  • Hüftschmerzen durch ungleichmäßige Gelenkbelastung
  • Knieschmerzen infolge veränderter Druckverhältnisse
  • Fuß- und Fersenschmerzen
  • Beckenschiefstand und Schulterschiefstand
  • verändertes Gangbild und Unsicherheit beim Gehen
  • Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich
  • Kopf- oder Kieferschmerzen durch muskuläre Fehlbelastungen

Zu Beginn treten diese Beschwerden häufig belastungsabhängig auf. Im weiteren Verlauf entwickeln sich nicht selten chronische Schmerzen.

Welche langfristigen Folgen kann eine Anisomelie haben?

Eine unbehandelte Anisomelie führt langfristig zu einer dauerhaften Fehlbelastung des Bewegungsapparates. Mögliche Folgen sind:

  • beschleunigter Verschleiß von Hüft- und Kniegelenken
  • erhöhte Belastung der Bandscheiben
  • Entwicklung von Arthrose
  • Verstärkung oder Entstehung von Wirbelsäulenverkrümmungen
  • eingeschränkte Beweglichkeit

Wie wird eine Beinlängendifferenz ausgeglichen?

Der Ausgleich einer Anisomelie beginnt mit einer präzisen Diagnostik. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen anatomischer und funktioneller Beinlängendifferenz, da sich daraus unterschiedliche Therapieansätze ergeben.

Anatomische Anisomelie

Bei einer anatomischen Anisomelie steht der mechanische Längenausgleich im Vordergrund. Ziel ist es, die Körperstatik zu harmonisieren und Fehlbelastungen zu reduzieren. Hier übernehmen orthopädische Hilfsmittel eine zentrale Rolle.

Funktionelle Anisomelie

Bei einer funktionellen Anisomelie liegt der Schwerpunkt auf der Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen, etwa durch physiotherapeutische oder osteopathische Maßnahmen. Erst nach Korrektur der funktionellen Störungen erfolgt gegebenenfalls eine ergänzende Versorgung.

Wie lässt sich eine Anisomelie behandeln?

Orthopädische Einlagen

Orthopädische Einlagen stellen eine bewährte Methode zur Behandlung der Anisomelie dar. Bei einer anatomischen Beinlängendifferenz gleichen individuell gefertigte Einlagen den Längenunterschied gezielt aus. Durch eine einseitige Fersenerhöhung wird das kürzere Bein funktionell verlängert.

Diese Maßnahme stabilisiert das Becken, richtet die Wirbelsäule neu aus und verteilt die Belastung gleichmäßiger auf beide Körperseiten. Moderne Einlagen entstehen individuell nach einer Fußanalyse und berücksichtigen sowohl den Grad der Anisomelie als auch das Gangbild und die individuellen Beschwerden.

Schuhabsätze und Schuherhöhungen

Bei größeren Längendifferenzen reicht eine Einlage allein nicht immer aus. In diesen Fällen kommen Schuherhöhungen zum Einsatz. Diese können innenliegend oder außen am Schuh angebracht werden und ermöglichen einen präzisen Ausgleich auch bei deutlicher Anisomelie. Der Vorteil liegt in der dauerhaften Integration des Längenausgleichs in das Schuhwerk. Dadurch bleibt der Ausgleich auch bei längeren Gehstrecken oder im beruflichen Alltag stabil erhalten.

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