Veröffentlicht am: 10.12.2025

O-Beine: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

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O-Beine, medizinisch als „Genu varum“ bezeichnet, beschreiben eine Fehlstellung der Beinachse, bei der die Beine bogenförmig nach außen gekrümmt sind. Dabei stehen die Knie weiter auseinander, während sich die Fußgelenke berühren. Diese Fehlstellung betrifft Kinder und Erwachsene gleichermaßen und kann unterschiedliche Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten haben.

Was sind O-Beine?

Bei O-Beinen verläuft die Beinachse nicht gerade, sondern zeigt eine nach außen gerichtete Krümmung. Dadurch entsteht zwischen den Knien ein sichtbarer Abstand, selbst wenn die Füße geschlossen werden. Anatomisch betrachtet ergibt sich ein vergrößerter Winkel zwischen Oberschenkelknochen (Femur) und Schienbein (Tibia).

Diese Fehlstellung führt zu einer ungleichen Belastung des Kniegelenks. Während bei gesunden Beinen die Kräfte gleichmäßig auf die Gelenkflächen verteilt werden, wird bei O-Beinen das innere Kniekompartiment stärker beansprucht. Langfristig kann diese Fehlbelastung zu Abnutzungserscheinungen, Knorpelschäden und Arthrose führen.

Im frühen Kindesalter sind O-Beine häufig physiologisch bedingt. In den ersten Lebensjahren stellen sie einen normalen Entwicklungszustand dar und korrigieren sich meist von selbst. Besteht die Fehlstellung jedoch über das vierte Lebensjahr hinaus oder entwickelt sie sich im Erwachsenenalter, handelt es sich um eine pathologische Form, die behandelt werden sollte.

Ursachen von O-Beinen

Die Entstehung von O-Beinen kann auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden. Neben genetischen Einflüssen spielen medizinische Erkrankungen, neuromuskuläre Störungen und äußere Belastungen eine wichtige Rolle.

Genetische Faktoren

Eine familiäre Veranlagung gilt als häufiger Auslöser für O-Beine. Kinder, deren Eltern oder nahe Verwandte ebenfalls an einer Beinachsenfehlstellung leiden, zeigen ein erhöhtes Risiko, diese Fehlstellung ebenfalls zu entwickeln.

Medizinische Bedingungen

Bestimmte Erkrankungen beeinflussen das Knochenwachstum und können O-Beine verursachen. Dazu zählen vor allem:

  • Rachitis: Ein durch Vitamin-D-Mangel verursachter Knochenerweichungszustand, der zu Verformungen der langen Röhrenknochen führt.
  • Blount-Krankheit: Eine Wachstumsstörung des Schienbeins, die vor allem bei Kindern auftritt und unbehandelt zu ausgeprägten O-Beinen führen kann.
  • Verletzungen oder Fehlheilungen: Frakturen im Bereich des Unterschenkels oder Kniegelenks können eine dauerhafte Achsabweichung zur Folge haben.

Neuromuskuläre und strukturelle Ursachen

Erkrankungen des Nervensystems, beispielsweise Poliomyelitis (Kinderlähmung) oder muskuläre Dysbalancen, können die normale Beinachse verändern. Auch Fehlstellungen der Hüfte oder der Füße, wie ein ausgeprägter Knick-Senkfuß, beeinflussen die gesamte Körperstatik und begünstigen die Entwicklung von O-Beinen.

Sportliche Aktivitäten

Intensive sportliche Belastungen, vor allem im Jugendalter, wirken sich auf das Wachstum der Knochen aus. Insbesondere intensives Fußballtraining führt zu asymmetrischen Belastungen der Wachstumsfugen, was die Entstehung von O-Beinen begünstigen kann. Besonders im Wachstumsalter ist die Anpassungsfähigkeit des Knochens groß, gleichzeitig jedoch auch anfällig für Fehlbelastungen.

Symptome von O-Beinen

O-Beine können verschiedene Beschwerden verursachen, die von leichten Schmerzen bis zu deutlichen Bewegungseinschränkungen reichen. Typisch sind:

  • Knieschmerzen: Vor allem im inneren Bereich des Kniegelenks treten belastungsabhängige Schmerzen auf, die durch den veränderten Druck auf Knorpel und Menisken entstehen.
  • Verändertes Gangbild: Die Beine stehen weiter auseinander, was zu einem instabilen Gang führen kann.
  • Bewegungseinschränkungen: Eine zunehmende Fehlstellung beeinträchtigt die Beweglichkeit im Knie und in der Hüfte.
  • Rückenschmerzen: Durch die veränderte Körperstatik kann es zu Überlastungen der Wirbelsäule kommen.
  • Rücken- und Hüftschmerzen: Durch die veränderte Körperhaltung kann es zu einer ungleichmäßigen Belastung von Wirbelsäule und Hüftgelenken kommen. Diese Fehlbelastung führt häufig zu Verspannungen und Schmerzen im Rücken- oder Hüftbereich, weil der Körper versucht, die Fehlstellung auszugleichen.
  • Ischiasbeschwerden: In manchen Fällen entstehen zusätzlich Reizungen des Ischiasnervs. Die veränderte Statik und die erhöhte Druckbelastung auf die Wirbelsäule können Schmerzen verursachen, die bis in das Gesäß oder die Beine ausstrahlen.
  • Sichtbare Fehlstellung: Besonders bei ausgeprägtem Genu varum ist die bogenförmige Beinform deutlich erkennbar. Wenn eine Person mit geschlossenen Knöcheln steht, berühren sich die Knie nicht.

Unbehandelte O-Beine können im Laufe der Zeit zu Folgeschäden führen. Die dauerhafte Überbelastung der inneren Kniegelenkfläche begünstigt die Entwicklung einer medialen Gonarthrose (Arthrose des inneren Kniekompartiments).

Diagnose von O-Beinen

Die Diagnose von O-Beinen erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren.

  • Klinische Untersuchung: Bei der körperlichen Untersuchung fällt zunächst der Abstand zwischen den Knien auf, wenn die Füße geschlossen stehen. Zusätzlich überprüft der Arzt die Beinachse, die Gelenkbeweglichkeit und eventuelle Schmerzen bei Belastung.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen der gesamten Beinachse geben Aufschluss über den Grad der Fehlstellung. Dabei wird der sogenannte mechanische Achswinkel bestimmt. Dies ist der Winkel zwischen dem Mittelpunkt des Hüftgelenks, des Kniegelenks und des Sprunggelenks. Bei O-Beinen liegt dieser Winkel außerhalb der physiologischen Achse.
  • Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT): Diese Verfahren werden in bestimmten Fällen eingesetzt, um Schäden an Knorpel, Menisken oder Gelenkflächen genauer zu beurteilen.

Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um rechtzeitig therapeutische Maßnahmen einzuleiten und eine fortschreitende Gelenkbelastung zu verhindern.

Behandlungsmöglichkeiten von O-Beinen

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, dem Schweregrad der Fehlstellung und dem Alter der betroffenen Person. Dabei kommen sowohl konservative als auch chirurgische Maßnahmen zum Einsatz.

Nicht-chirurgische Maßnahmen

Nicht-operative Verfahren stehen am Anfang der Behandlung und sind insbesondere bei leichten O-Beinen wirksam.

  • Physiotherapie:
    Gezielte Übungen stärken die Muskulatur rund um das Knie und verbessern die Beinachse. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Training der Oberschenkel- und Hüftmuskulatur. Durch Dehnung verkürzter Muskelgruppen wird die Beweglichkeit verbessert.
  • Orthopädische Hilfsmittel:
    Spezielle Einlagen oder Schuhe mit Außenranderhöhung können die Belastung auf die Kniegelenke ausgleichen. Diese Korrektur entlastet das innere Kniekompartiment und unterstützt eine gleichmäßigere Gewichtsverteilung.
  • Schienen und Orthesen:
    Bei Kindern oder Jugendlichen mit noch offenen Wachstumsfugen können Schienen und Orthesen das Knochenwachstum gezielt beeinflussen. Auch bei Erwachsenen dienen sie der Entlastung und Stabilisierung der Gelenke.
  • Ergonomische Anpassungen:
    Anpassungen im Alltag, wie ergonomische Sitzpositionen, gelenkschonendes Schuhwerk oder regelmäßige Bewegung, tragen dazu bei, die Symptome von O-Beinen zu lindern. Eine ausgewogene Körperhaltung und das Vermeiden einseitiger Belastungen sind wichtige Bestandteile der Therapie.

Chirurgische Maßnahmen

Wenn konservative Methoden nicht ausreichen oder die Fehlstellung stark ausgeprägt ist, kann eine operative Korrektur erforderlich werden.

  • Umstellungsosteotomie:
    Bei dieser Operation wird der Knochen im Bereich des Schienbeins oder Oberschenkels durchtrennt und neu ausgerichtet. Dadurch wird die mechanische Achse wieder in eine physiologische Position gebracht. Ziel ist es, die Belastung im Kniegelenk gleichmäßig zu verteilen und Folgeschäden zu vermeiden.
  • Epiphyseodese (Wachstumslenkung):
    Diese Methode kommt vor allem bei Kindern und Jugendlichen zum Einsatz. Durch kleine Implantate wird das Wachstum auf einer Seite des Knochens verlangsamt, sodass sich die Achse im Verlauf des Wachstums korrigiert.

Nach operativen Eingriffen folgt eine Phase der Rehabilitation. Physiotherapeutische Übungen, kontrollierte Belastung und regelmäßige Nachuntersuchungen sind notwendig, um das Behandlungsergebnis langfristig zu sichern.

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